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Zum Nachbestellen: cinearte xl 019 In fremden Köpfen Schöner Schein Passionslichtspiele Bildgeschichten Der Lüge auf der Spur |
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Porträt Der Lüge auf der Spur »Das Lied in mir« begeistert Publikum und Kritik – weil Florian Cossen trotz des internationalen Settings einen typisch deutschen Nerv trifft. Text Christoph Gröner
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Die Schlüsselszene ist leise, ganz unauffällig: Eine Frau hört eine alte Kassette ab, hört darauf ein Mädchen in einer fremden Sprache reden. Die Stimme, sie faßt es nicht, ist ihre eigene. Und die Erwachsenen, die da lachen, kennt sie zwar nicht – aber sie versteht, daß das ihre leiblichen Eltern sein müssen. Das bisherige Leben wird in diesem Moment komplett gelöscht und überschrieben. Eigentlich zum zweiten Mal nach einer Kindheit, um die sie beraubt wurde. Rewind, Record, Play – größer kann die Erschütterung nicht sein. »Das Lied in mir«, ein Film über Erinnerung und Vergessen, Wahrheit und Verdrängung, vor allem also ein Film über Familie, erzählt die Geschichte der 31jährigen Marie, der auf einem Zwischenstop in Buenos Aires das Leben zerfällt – und das oft so, daß der Zuschauer diesem radikalen Wahnsinn der Erkenntnis fassungslos und ergriffen zuschaut. Die Deutsche erkennt auf dem Flughafen ein Kinderlied, sie findet andere Erinnerungsfetzen, die sie nicht einordnen kann, bis ihr klar wird: Sie, die Deutsche, hat argentinische Wurzeln. Anton, den sie bisher als Vater begriff, wird sie schließlich konfrontieren, und es bleibt zum Glück offen, was stärker wiegt am Ende: Die Lüge oder die Liebe. Ein starkes filmisches Dilemma, aber kann Erinnerung überhaupt so überschrieben werden, daß eine Erwachsene sich nicht immer an ihr Kindsein erinnert, als sie drei oder vier war? Offenbar schon, denn die Geschichte dieses Films hat viel mit dem Regisseur Florian Cossen und seiner Geschichte zu tun. Es steckt viel Reise auch in seinem Leben. Geboren wurde er am 3. Januar 1979 als Sohn eines deutschen Diplomaten in Tel Aviv, später lebte die Familie auch in Kanada und Spanien, Cossen kam erst mit 15 nach Deutschland. Die ersten Lebensjahre verbrachte er in Israel, und dort hat er selbst erlebt, was man alles vergessen kann: »Ich habe Hebräisch gesprochen, wie man das als Vierjähriger so macht im israelischen Kindergarten«, sagt er im Interview. Die Familie reiste später nie wieder nach Israel. Erst als Cossen in Montreal ein halbes Studienjahr verbrachte, nahm er wieder Hebräisch-Stunden. Die Lehrerin sang ihm irgendwann Kinderlieder aus den 80ern vor. »Das war rührend, aber auch frustrierend: ich erkannte nichts«, erzählt der Regisseur. Beim siebten Lied war es anders. Gutturale Laute, eine einfache Melodie, die Erinnerung kam zurück: Das Lied in ihm – ein Ausgangspunkt seines Filmdebüts.
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