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Zum Nachbestellen: cinearte xl 019 In fremden Köpfen Schöner Schein Passionslichtspiele Bildgeschichten Der Lüge auf der Spur |
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Analyse Passionslichtspiele Mel Gibson läßt es gerne krachen – das kennt man ja. Die Leidenschaft aber, mit der er das Leiden Christi in der Karwoche auf die Leinwand brachte, verstörte viele und spaltete die Gemüter. Text Ian Umlauff
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Man hat keine Wahl. Man hatte sie nicht an der Kinokasse. Und man hat sie auch nicht im Menü »Tonauswahl« der DVD oder Blu-Ray. Gleich nach der Auswahl des Tonformats bleibt nichts weiter anzuklicken als »Film ab«. Die Frage, ob man den Film in Englisch, Deutsch, Französisch, oder vielleicht auch Katalanisch, Hindu oder Kisuaheli ansehen möchte, stellt sich erst gar nicht. Läuft hier was falsch? Dieser Jesus-Film ist anders, begreift man sehr schnell. Spätestens, als uns Christus in den folgenden Minuten als von Angstzuständen gepeinigt gezeigt wird. Er weiß, was ihm bevorsteht in den nächsten Stunden. Und wir Zuschauer wissen es auch. Mel Gibson hat sich vorgenommen, es uns authentischer und realistischer zu vergegenwärtigen, als es alle Verfilmungen der Evangelien seiner Ansicht nach bisher getan haben. […] Die Folterszene ist vom ersten bis zum letzten Hieb mit Rute und Geißel 10 Minuten 30 Sekunden lang. Wirken soll das wie mehrere Stunden. Um das zu erreichen, ist die Szene dramaturgisch in mehrere Phasen gegliedert. Ab dem Moment, als Pontius Pilatus die Folter anordnet, in der Hoffnung, das aufgebrachte Volk und die Pharisäer dadurch beschwichtigen zu können, um Jesus nicht hinrichten zu müssen, hat man als Zuschauer Angst vor dem, was einen erwartet, nicht zuletzt aufgrund der öffentlichen Vorabverurteilungen des Films als übermäßig brutal. Ab da dauert es anderthalb Minuten, die Jesus in einen Hof geführt, entkleidet und von Legionären verspottet und beleidigt wird. Die Soldaten freuen sich auf den Spaß, der nun kommt. In den letzten Sekunden vor den ersten Hieben läßt Gibson es still werden. Das höhnische Lachen pöbelnder Soldaten, die verbale Gewalt, verstummt. Es beginnt die tätliche: Die Legionäre schlagen abwechselnd mit aller Kraft weit ausholend auf den Rücken des Delinquenten ein. Bei jedem Hieb bäumt sich Jesus unter Schmerzen auf, stöhnt aber nur leise. Für die beiden Prügelnden ist es Schwerstarbeit. Ein dritter brüllt Jesus die Anzahl der Hiebe entgegen: »Unus, duo, tres, quattuor, quinque,…«. Gibson steigert die Brutalität langsam. Die ersten Schnitte zeigen in Halbnahen Jesus von vorne, daneben die zuschlagenden Soldaten. Auf dem Rücken des Delinquenten sehen wir in einer Einstellung erste blutige Striemen, die sich aber noch harmlos ausmachen gegenüber den Spuren vorheriger Mißhandlungen. Nach wenigen Sekunden schneiden John Wright und Steve Mirkovich bereits in Nahaufnahmen von Gesichtern, zeigen die finsteren Mienen der Hohen Priester. Dann wieder zurück auf Jesus von vorne, Jesus von der Seite. Obwohl wir jetzt das erste Mal genauer zu sehen glauben, wie die Rutenhiebe Schürfwunden verursachen, scheint die Heftigkeit der Hiebe eher spürbar zu werden durch das Sich-Aufbäumen und unterdrückte Stöhnen des Delinquenten und das angestrengte Schnaufen der Legionäre.
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