Mister Lebenzon, wie gefällt Ihnen »Top Gun«?
Das war eine schwierige Erfahrung. Eine meiner ersten Arbeiten, und wir hatten zwei Geschichten: Die am Boden und die in der Luft. Und die Bodengeschichte hatte nur wenige Bilder. Die in der Luft hatte viele, aber das waren nur unzählige Flugmanöver, kein Bild aus dem Cockpit. Also mußten wir erst die Luftkämpfe schneiden, und das diente dann als Basis, um die Schauspieler im Kardanrahmen zu filmen...
Das Schöne daran war, daß wir den Schauspielern jeden Satz in den Mund legen konnten, denn sie hatten ja diese Sauerstoffmasken auf. Wichtig waren also die Augen und das Licht, das auf sie traf, und in welche Richtung es weitergehen sollte. Das war so eine Art Montage nach Ursache und Wirkung: Jemand mußte etwas sagen wie »Wir brechen gleich nach rechts aus und reißen den Vogel dann nach oben«, sonst hätte keiner verstanden, was da überhaupt passiert.
»Top Gun« war einer ihrer ersten Filme. Sie montierten danach vor allem Action-Streifen, bis Sie auf Tim Burton trafen, der für eine ganz andere Art von Filmen bekannt ist. Wie passen diese beiden Welten zusammen?
Naja, ich habe vorher auch an anderen Filmen gearbeitet, von denen sie wahrscheinlich noch nie gehört haben, Independent-Filme. Damals, in den späten 70ern und frühen 80ern, als man in Hollywood noch nicht diese gigantischen Produktionen hatte, gab es eine Menge kleinerer. Ich war sehr jung und hatte Glück, daß ich bei einigen davon mitarbeiten konnte und Erfahrung sammelte.
Mein erster richtiger Film war »Wolfen«, und ich glaube nicht, daß man den einen Actionfilm nennen kann – er ist so ein Zwischending und eher ein Drama. Danach arbeitete ich mit John Hughes an »L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn«, und das ist ja nun überhaupt kein Actionfilm, sondern eine Komödie, sogar eine für Teenager. Gut, dann kam »Top Gun«, an den sich die meisten erinnern, aber danach gab es Filme wie »Beverly Hills Cop 2« oder »Hudson Hawk – Der Meisterdieb«, die zwar Actionszenen hatten, aber Komödien waren. Mit Actionkomödien verdiente man damals viel Geld.
Wie trafen Sie dann auf Tim Burton?
Michael Lehmann, der Regisseur von »Hudson Hawk«, kannte den Produzenten von Tims Filmen. Also sprach ich 1990 mit ihm, und er engagierte mich für »Batman Returns«, der ja nun ein Film war, der all das beinhaltete, was ich bisher getan hatte. Aber es stimmt schon: Was Tim bis dahin gedreht hatte, »Edward mit den Scherenhänden« und »Beetlejuice«, war ziemlich weit entfernt von meinen Filmen.
»Wolfen«, den Sie gerade erwähnt haben, gilt heute als Klassiker wegen seiner subjektiven Kamera. Ein ziemlich spektakulärer Einstieg…
Der war nicht so spektakulär, wie sich das anhört. Ich habe ja nicht gleich mit »Wolfen« angefangen.
Wie kamen Sie zum Schnitt?
Ich kam
gerade vom College nach Los Angeles und wußte noch nicht so recht, was ich machen wollte. Mein Bruder kannte Michael Wadleigh, den Regisseur des Woodstock-Films, und ich lebte in seinem Haus. Da stand dieser Kem-Schneidetisch in der Garage. Ich glaube, es war sogar der erste, der aus Deutschland nach Hollywood gekommen war. Ich spielte nur ein bißchen damit herum und mein Interesse war geweckt… Erst arbeitete ich als Assistent, wurde weiterempfohlen, dazwischen gab es längere Phasen ohne Arbeit. Es ist schwierig, in die Union zu kommen, und ohne Union ist es schwierig, an Jobs zu kommen.
Wadleigh war eigentlich Dokumentarfilmer. Haben Sie auch welche geschnitten?
Nie.
Würden Sie gerne?
Es hat mich nie jemand gefragt. Und heute würde da erst recht keiner mehr an mich denken.
Mit Wadleigh arbeiteten sie schließlich an »Wolfen«, der unter mit Steadicam, Wärmebildkameras und Verzerrungen auf der Tonspur einen Teil seiner Handlung aus der Sicht der Wölfe zeigt, die in die Großstadt eindringen. Wie war die Arbeit mit den Bildern, wenn die Tonebene so wichtig war?
Nicht so toll, wie es das heute vielleicht mit digitalen Schnittsystemen wäre. Der Schneidetisch hatte nur zwei oder drei Tonspuren. Eine für den Dialog, eine für die Musik… Dieser Teil der Bearbeitung blieb also bei den Soundeditoren, die das auch prima gemacht haben.
Wie hat sich ihre Arbeit durch den Wechsel von Analog- zu Digitalschnitt verändert?
Wir mußten das alle durchmachen, und jeder, der wie ich gearbeitet hatte, stand dem zunächst ablehnend gegenüber, hat es aber bald begrüßt. Es hat meine Arbeit vereinfacht. Wenn ich in den alten Zeiten auf mein Material zugreifen wollte, war das buchstäblich so: Ich mußte aufstehen, den Filmstreifen vom Gestell holen, ihn einfädeln und im schnellen Vorlauf die richtige Stelle suchen. Heute sitzt man am Bildschirm, drückt einen Knopf, scrollt mit der Maus und findet alles ganz schnell.
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