Herr Joneleit, wir sitzen in Ihrem Berliner Atelier, im Rechner laufen experimentelle Kurzfilme, bekannt wurden Sie aber als Komponist. Was denn nun?
Ich habe in den USA Bildende Kunst studiert, also Malerei. Man könnte also sagen, ich bin der erste »Hobbykomponist«, der an der Staatsoper Berlin gespielt wurde. Aber wie sehe ich mich selbst? Eigentlich als Komponist. Auch als Maler improvisiere ich, wie ein Jazzmusiker, nur halt mit Acrylfarbe. Und beides versuche ich mit Film zu kombinieren. Ich habe als Kind mit Super-8 herumprobiert, jetzt fing ich an, mit dem I-Phone Filme zu machen – ich wollte sehen, ob ich schon im 21. Jahrhundert angekommen bin. Erst habe ich zu bestehenden Musikstücken filmische Experimente gemacht…
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Wobei Sie da als Maler sicherlich eigene Vorstellungen haben.
Ich finde, man sollte als Filmemacher versuchen, den Zuschauer dafür zu sensibilisieren, daß die Kamera nicht bloß ein verlängertes Auge sein muß und, wie eigentlich in fast allen Filmen heutzutage, »mitten im Geschehen«.
Sondern?
Mich stört dabei, daß die Kamera viel zu oft quasi eine Person ist. Meine Kamera bleibt in vielen kommenden Projekten erst einmal ein Objektiv. Das Bild ist ein Guckkasten – wie bei einer Opernbühne. Ich möchte das Publikum ganz konsequent auch wieder an solche filmische Möglichkeiten heranholen, wobei das Auge erst einmal beobachtender Schauer aus Distanzen ist. Wenn ich den Zuschauer dann wieder mitten ins Geschehen zurückhole, ist die Erfahrung viel intensiver, als wenn man einen gesamten Film schon »mittendrin« inszeniert.
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Woher kommt der Drang zu monumentalen Suiten im Kino?
Die Musiksoße kommt von den B-Movies wie Jäger des verlorenen Schatzes oder Krieg der Sterne. Und das Arthouse-Kino eifert dem nach. Heute ist die Filmmusik fast immer nur Stimmungsmacher. Und wo sitzt dann eigentlich das Orchester? Rosa [von Praunheim] wollte bei seinem Film zu einer Szene in der Küche eine Jazz-Kombo hören. Ich sagte: Da paßt aber nur ein Gitarrist rein.
Wie sollte man Filmmusik schreiben?
Zurückhaltend. Der Komponist sollte sich zurücknehmen. Komponieren und dann den Radiergummi ansetzen. Er sollte ständig im Dialog mit dem Regisseur stehen, aber ihn so führen, daß der Regisseur sich auf seine Vorschläge einläßt – ihn musikalisch »erziehen«.
Das klingt beinahe arrogant.
Wieso? Ich will dem Regisseur ja nicht Schauspielerführung oder Dramaturgie erklären. Und so einfach ist es ja nicht.
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Wieso gerade diese Kombination?
Filmmusik und Zeitgenössische Musik haben eines gemeinsam: Sie werden beide ignoriert. Die meisten der großen philharmonischen Orchester spielen keine Filmmusik. Ein berühmter Dirigent erklärte mir den Grund: »Das ist doch Unterhaltungsmusik!« Na und? Das ist Beethoven auch.
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