film im film

Gerne spielt das Kino mit sich selbst, und wir schauen zu. Wir haben nämlich jetzt einen eigenen Kanal auf Youtube. Den widmen wir dem Thema »Film im Film« – wie das Kino sich selbst im Kino sieht.


In »Rocketeer« (Regie: Joe Johnston, 1991) platzt der Held in die Dreharbeiten zu »Der lachende Bandit« -- eine Hommage an »Die Abenteuer des Robin Hood« (Regie: Michael Curtis, 1938), dessen Kampfszene hier nachgestellt wird. Die Figur, die Timothy Dalton verkörpert, ist Errol Flynn nachempfunden. Nebenbei erfahren wir Grundsätzliches zu Schauspielkunst und Kulissenbau.

Ein Projektor, eine Wand -- mehr brauchte es nicht, um aus der Dorfkneipe einen Kinosaal zu machen. In »You're the One (una historia de entonces)« zeigt José Luis Garci seine ganze Liebe zum Hollywood-Kino der 40er Jahre -- was in dieser Szene wörtlich zu verstehen ist. Im Grunde besteht diese Szene aus vier Einstellungen: »Plakat«, Kinosaal mit Leinwand, Projektionist und schließlich die Zuschauer. Mehr als Hälfte, gut 40 Sekunden bestehen aus der Plansequenz, die alles im Blick hat, was das Kino braucht: Projektor, Publikum, Leinwand. Darauf erscheinen Wochenschau, Studiotrailer und Vorspann. Der Film selbst ist nicht mehr zu sehen (gezeigt wird übrigens das Melodrama »Ruhelose Liebe« von 1939, das Regisseur Leo McCarey 1957 mit Cary Grant und Deborah Kerr noch einmal verfilmte: »Die große Liebe meines Lebens« ist ein Klassiker im Kino der großen Gefühle).

Kunst oder Kommerz? Es ist das alte Dilemma, dem sich Jean-Luc Godard mit »Die Verachtung« widmet: Ein Produzent ist unzufrieden mit seinem Regisseur, weil der die Odysseus-Sage zu künstlerisch umsetzt. Ein Krimischriftsteller soll das Skript für die Kasse retten -- und findet sich zwischen den Fronten. Es ist Godards eigenes Dilemma: Für »Die Verachtung«, nach einer Novelle von Alberto Moravia, sollte er die Bardot ins künstlerische Licht rücken. Aber bitte mit Nacktszenen, wünschten die Produzenten.
Schauplatz des Films übers Filmemachen ist die Cinecittà bei Rom, Italiens Hollywood, das die besten Zeiten hinter sich hat, und sich als Schauplatz für zweitklassige Sandalenfilme hergeben muß. Der Vorspann zeigt die Tristesse des Studiogeländes: Eine lange Einstellung in Cinemascope, Kamera und Ton folgen einer Frau, die sich auf das Publikum zubewegt. Am Ende der Fahrt treffen sich die Blicke der beiden Kameras, und die unsichtbare Grenze der Leinwand zwischen Fiktion und Wirklichkeit ist aufgebrochen.

So kann's gehen, wenn der Liedtext als Titel herhalten muß: Aus Stanley Donens »Singin' in the Rain« wurde auf Deutsch »Du sollst mein Glücksstern sein«. Hinterm sperrigen Titel verbirgt sich nicht weniger als das beste Musical aller Zeiten. Meint zumindest das American Film Institute. Seinen Spaß findet auch, wer mit Tanz und Gesang wenig anfangen kann -- und erfährt zudem einiges über die Arbeit in den Kulissen. Denn das Singspiel nimmt sich den vermutlich größten Umbruch der Filmgeschichte vor: Als die Bilder auf der Leinwand sprechen lernten. Etliche der Widrigkeiten mit der Tonaufnahme wurden nach den Erinnerungen des Kostümbildners Walter Plunkett inszeniert. Einen hübschen Querverweis gibt es am Anfang dieser Szene, wenn der Schauspieler Don Lockwood (Gene Kelly) seinen Freund Cosmo (Donald O'Connor) trifft, und sie über die neueste Filmkritik sprechen: »Der Jazzsänger«, nach üblicher Darstellung der erste Film überhaupt, in dem gesprochen wurde. Danach kann man die Tonspur getrost überhören und darauf achten, was im Hintergrund des Stummfilmstudios so vor sich geht, wenn nahezu die gesamten Filmgewerke jener Zeit vorüberziehen.

Ingmar Bergman führen viele Filmemacher als ihr Vorbild an, aber dies ist wohl die tiefste und seltsamste Verneigung vor dem skandinavischen Meisterregisseur. Der spanische Regisseur Pablo Berger Uranga machte den Ausbruch der sexuellen Revolution in seinem Land um 1973 zum Thema seines Langfilmdebüts »Die Torremolinos Homevideos« von 2003, angeblich nach wahrer Begebenheit: Ein Lexikonverkäufer (Javier Camara) verlegt sich angesichts zunehmender Bildungsverweigerung auf die Produktion von »Aufklärungsfilmen«. An Bergmans Filmen bildet er sich weiter, mit Super-8-Kamera und Unterstützung seiner aparten Gattin (Candela Peña) bringt er es zu einigem Wohlstand. Doch der Softpornograf strebt nach mehr, beziehungsweise seinem Vorbild nach und einem freien Remake von »Das siebente Siegel« zu. Eine abschließende Korrektur des Produzenten macht am Ende doch noch einen Porno daraus. Film und Beteiligte wurden mehrfach ausgezeichnet -- noch nicht soviel Beachtung fand der skandinavische Nebendarsteller, der hier vor der Kamera agiert. Heute wäre das anders.

Was Filmjournalisten so durchstehen müssen, zeigte »Notting Hill« 1999. Vor dem Hintergrund eines Pressemarathons lassen Regisseur Roger Michell und Drehbuchautor Richard Curtis die beiden Protagonisten der Romantischen Komödie einander wiederbegegnen: Sie (Julia Roberts) ist der beliebteste und erfolgreichste Hollywood-Star auf Erden, er (Hugh Grant) ein liebenswerter und erfolgloser Buchhändler in London. Eigentlich wären die beiden ja ganz privat zum Tee verabredet, doch das Marketing zum anstehenden Kinostart bringt die Planung durcheinander. Daß der Held selten ins Kino geht und den Film, um den es hier geht, gar nicht gesehen hat, erleichtert seine Aufgabe nicht gerade...